Trailrunning: Sonnenaufgang am Schober

Für Vroni von den Berghasen ist es einer der schönsten Momente, zum Sonnenaufgang am Berg zu sein. Warum sie es so beeindruckend findet und warum ihr das unbedingt mal probieren müsst, verrät sie euch jetzt!

Sonnenaufgänge sind etwas Besonderes. Ich liebe das Gefühl von Abenteuer, wenn ich morgens um vier einsam durch die Dunkelheit laufe. Zu sehen, wie langsam der Tag anbricht und draußen wieder alles aktiv wird, wie der rote Feuerball am Horizont emporsteigt und den Tag einläutet. All diese Kleinigkeiten machen den Sonnenaufgang für mich zu etwas einzigartigen, mit dem ein Sonnenuntergang nicht mithalten kann.

Letztes Wochenende hat mich mal wieder die Abenteuerlust gepackt. Spontan habe ich mich dazu entschlossen, am nächsten Morgen einen Trailrun auf den Schober am Fuschelsee zu unternehmen.

 

Aller Anfang ist schwer

Um halb vier reißt mich der Wecker aus meinen Träumen. Trotz Vorfreude fällt es mir schwer, mich von meinem Kissen zu trennen. Das Aufstehen ist wirklich immer das Schwierigste an diesen Vorhaben. Aber es hilft alles nichts. Jetzt heißt es raus aus dem warmen, gemütlichen Bett und rein in die Laufsachen. Diese habe ich mir zusammen mit einer Ausrüstung schon am Vorabend bereitgelegt.

Zwischen Tür und Angel vertilge ich eine Banane und einen Müsliriegel. Meinen Kaffee und meinen warmen Haferbrei für den Gipfel habe ich mir ebenfalls am Vorabend in Thermogeschirr gepackt.

Als ich mit dem Auto von Salzburg Richtung Salzkammergut unterwegs bin, ist es schon am Dämmern. Die Straßen sind leer und die Häuser wirken ausgestorben. Wie ich diese Ruhe liebe.

Trailrun auf den Schober

Eine halbe Stunde später erreiche ich den Parkplatz am Forsthaus Wartenfels. Mit meiner Stirnlampe auf dem Kopf laufe ich los. Obwohl es schon dämmert, ist es im Wald noch stockduster. Die Dunkelheit und die Stille machen mir Angst. Nicht zu wissen, was sich darin verbirgt und wo das Knacken herkommt verunsichert mich. Dafür höre ich das Gezwitscher der Vögel besonders intensiv.

Schon bald wird der Weg steiler und ich muss vom Laufen in ein schnelles Gehen wechseln. Bei jedem Schritt hallt das Knirschen meiner Trailrunningschuhe im Schotter durch den Wald. Um mich ein wenig von meiner Angst abzulenken, überlege ich, wie viele Monate Training es wohl noch benötigt, bis ich endlich durchlaufen kann.

So langsam habe ich meinen Rhythmus gefunden und der Weg führt mich aus dem Wald. Über stufiges und schrofiges Gelände geht es die letzten Höhenmeter hinauf zum Frauenkopf. Es ist jetzt so hell, dass ich meine Stirnlampe ausschalten kann.

Damit schwindet auch meine Angst. Wenige Minuten später stehe ich am Frauenkopf. Am Horizont färbt sich der Himmel bereits in allen Gelb- und Rottönen.

Ich freue mich, dass ich jetzt auch endlich wieder laufen kann. Der kleine Steig zum Schober fällt zuerst ein wenig ab, bevor er für die letzten paar Höhenmeter noch einmal leicht ansteigt. Unterhalb des Gipfels befindet sich eine kleine Schutzhütte. Ab hier muss ich ein paar Mal an den Fels und die Stahlbefestigungen greifen.

Geschafft. Ich stehe endlich am Gipfel des Schobers.

Sonnenaufgang am Gipfel

Ich ziehe mir etwas Warmes an und suche mir ein bequemes Plätzchen. Während ich genüsslich meinen Haferbrei und meinen Kaffee genieße, wandert langsam ein knallroter Feuerball am Horizont empor.

Mit der Sonne am Himmel, hat man das Gefühl, dass auch im Tal wieder alles erwacht. Auf den Seen beginnt das Wasser zu schimmern, die Straßen füllen sich langsam mit Autos und auch die Blumen öffnen wieder ihre Blüten und strecken sie Richtung Sonne.

Um 6 Uhr mache ich mich über den Frauenkopf zurück auf den Weg zum Parkplatz. Alternativ kann man über den Schober direkt absteigen, hier sind nur die ersten Meter ab zu klettern.

Während ich entspannt mit dem Auto nach Hause fahre, bin ich vollkommen ausgeglichen und zufrieden. Mit dem Erlebnis im Herzen und der Gewissheit, schon etwas getan zu haben, fällt es mir gar nicht schwer mich jetzt an den Schreibtisch zu setzen und zu arbeiten.

Aber davor gönne ich mir erst mal noch ein Weißwurstfrühstück. Beim Metzger meines Vertrauens besorge ich mir frische Weißwürstchen. Beim Bäcker gibt’s dazu ein paar frische Brezen und damit ist der Start in den Tag für mich perfekt.

 

Berghasen Tipp für Langschläfer

Aufstehen um halb vier klingt für dich eher nach Folter als nach Entspannung? Dann ist die beste Zeit für deine Sonnenaufgangstouren ab September und endet mit dem ersten kräftigen Schneefall. Der Herbst bietet den Vorteil, dass die Gipfel noch schneefrei sind und die Sonne aber nicht mehr ganz so früh aufgeht.

Besonders schön sind die Touren bei Vollmond. Da kann man sogar auf die Stirnlampe verzichten.

Tourdaten

  • Ausgangspunkt: Parkplatz Forsthaus Wartenfels
  • Dauer Aufstieg: 30-60 min
  • Höhenmeter: ca. 425 hm
  • Schwierigkeit: einfach
Über den Autor:

Die Berghasen, das sind Vroni und Susi, zwei Sportwissenschafterinnen aus Salzburg. Auf ihrem eigenen Blog berghasen.com und hier auf dem Hervis-Blog schreiben sie über ihre Leidenschaft zu den Themen Wandern, Bergsteigen, Klettern, Skifahren und Mountainbiken.

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  • Füller
    Juni 2017

    Ja, wär schön den Sonnenaufgang zu geniesen, aber der Schober ist so Überlaufen, dass es keinen Spass mehr macht. Weiss nicht ob in der Früh auch so viele Unterwegs sind. Trotzdem ein scgöner Bericht.

    • Birgit | Hervis
      Juni 2017

      Hallo Herbert! Der Schober ist wirklich ein sehr beliebter Berg in der Region. Unter der Woche hat man aber in der Früh sehr gute Chancen den Sonnenaufgang ganz alleine zu genießen.
      Hast du einen Tipp für uns, wo’s ruhiger zugeht? LG Birgit | Hervis